Was bedeutet Rückführbarkeit – und welche Rolle spielt sie bei der Kalibrierung?

Kalibrierung im E+E Kalibrierlabor

Um die Genauigkeit von Messgeräten zu belegen sind am Markt unterschiedliche Arten von Kalibrierzertifikaten erhältlich. Eine häufig gestellte Frage in diesem Zusammenhang ist jene nach dem Unterschied zwischen einer akkreditierten Kalibrierung und einer ISO-Kalibrierung. Um die Aussagekraft der verschiedenen Zertifikate beurteilen zu können, ist es wichtig zu verstehen, was Rückführbarkeit bedeutet und welche messtechnischen Instanzen es im Kalibrierwesen gibt. Dieser Beitrag bietet einen grundlegenden Überblick über die Hierarchie der Kalibrierungen und erläutert die Besonderheiten der jeweiligen Kalibrierzertifikate.

Rückführbarkeit und Hierarchie von Kalibrierungen

Der Begriff „Rückführbarkeit“ oder „Traceability“ beschreibt einen Vorgang, durch den der von einem Messgerät angezeigte Messwert über einen oder mehrere Schritte mit einem nationalen Normal für die betreffende Messgröße verglichen werden kann. Diese Schritte müssen eine ununterbrochene Kette von Kalibrierungen bilden. Dabei wird jeweils ein Messgerät mit einem Normal verglichen, dessen messtechnische Merkmale seinerseits durch einen Vergleich mit einem höherrangigen Normal ermittelt wurden. Auf diese Weise entsteht eine Kalibrier-Hierarchie bzw. eine Hierarchie der Prüfmittel (siehe Abbildung rechts).

  • Kalibrierpyramide
    Die „Kalibrier-Pyramide“ stellt die Hierarchie der messtechnischen Instanzen im Kalibrierwesen dar. An der Spitze stehen die Nationalen Metrologie-Institute und deren designierte Institute.

Nationale Metrologie-Institute – die Hüter der nationalen Etalons

Nationale Metrologie-Institute (NMI) stehen an der Spitze des Messwesens eines Staates und stellen die oberste Ebene der Rückführbarkeitskette von Kalibrierungen dar. Sie halten die nationalen Etalons (Messnormale) und sichern den Anschluss der Messungen an das internationale Einheitensystem SI. Die nationalen Normale müssen durch sogenannte „Schlüsselvergleiche“ mit anderen nationalen Normalen verglichen werden, um gemäß CIPM-MRA (internationales Abkommen über die gegenseitige Anerkennung) international anerkannt zu werden. NMIs können sogenannte designierte Institute (DI) mit dieser wichtigen Aufgabe betrauen, sofern diese über die erforderliche messtechnischen Kompetenz und Ausrüstung verfügen. 

In Österreich ist E+E Elektronik vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) als designiertes Institut mit der Bereithaltung der nationalen Etalons für Feuchte, Taupunkt, Luftströmungsgeschwindigkeit und Gaskonzentration CO2 beauftragt. Für diese Messgrößen ist das E+E Kalibrierlabor die höchste metrologische Instanz des Landes.

Kalibrierungen durch NMIs und DIs sind sehr aufwändig und nicht auf alltägliche Kalibrieraufgaben im industriellen Messwesen ausgerichtet. Sie sind daher in erster Linie für internationale Vergleiche und akkreditierte Kalibrierlaboratorien interessant.
 

Akkreditierte Kalibrierung nach EN ISO/IEC 17025

Akkreditierte Kalibrierlabore sind den NMIs / DIs nachgeordnet und führen die operative Tätigkeit von Kalibrierungen durch. Wesentliches Merkmal einer akkreditierten Kalibrierung ist die Rückführbarkeit auf ein nationales - und somit in der Regel auch auf ein internationales - Normal. Eine Kalibrierung gilt nur dann als rückführbar, wenn diese auch Angaben zur Messunsicherheit des Messprozesses beinhaltet und die Tauglichkeit des Verfahrens von unabhängigen Gutachtern bestätigt ist. 

Nach dem multilateralen Abkommen (MRA) der ILAC (International Laboratory Accreditation Cooperation) können lediglich nach EN ISO/IEC 17025 akkreditierte Kalibrierstellen rückführbare Kalibrierungen durchführen und somit die volle internationale Vergleichbarkeit der Kalibrierergebnisse gewährleisten. 

Akkreditierte Kalibrierungen werden für Prüfmittel gefordert, welche wiederum als Bezugsnormale zur Überwachung weiterer Prüfmittel dienen, oder wenn die Qualitätsstandards eines Unternehmens (z.B. IATF 16949) dies erfordern. 
 

ISO-/Werkskalibrierung

Sogenannte „ISO- oder Werkszertifikate“ werden am Markt häufig als kostengünstigere Alternative zu akkreditierten Kalibrierzertifikaten angeboten. ISO-Kalibrierungen sind Vergleichsmessungen externer Prüflinge mit werksinternen Referenzgeräten (Werksstandards). Die verwendeten Referenzgeräte sind auf nationale Standards rückführbar. Die Vergleichsmessung erfolgt dabei nach internen Abläufen, welche die Anforderungen nach ISO 9001 oder auch nach ISO IATF 16949 erfüllen. 

ISO-Kalibrierungen unterliegen der Selbstverpflichtung des Kalibrierlabors zu einer korrekten Messunsicherheitsangabe, Rückführbarkeit und einer sorgfältigen Laborarbeit. Das Kalibrierlabor ist selbst verantwortlich für die Konformität mit der EN ISO/IEC 17025. Im Unterschied zu einer akkreditierten Kalibrierung gelten ISO-Kalibrierungen daher nicht als rückführbar, da der Prozess nicht durch eine externe Akkreditierungsstelle überwacht und geprüft ist. ISO-Kalibrierzertifikate sind deshalb auch nicht international vergleichbar

 

Bedarf an einer akkreditierten Kalibrierung?

E+E Elektronik ist als Kalibrierlaboratorium gemäß EN ISO/IEC 17025 mit der Identifikationsnummer 0608 von Akkreditierung Austria / Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort akkreditiert. Der Leistungsumfang des akkreditierten Labors umfasst herstellerunabhängige Messgeräte-Kalibrierungen für die Messgrößen Luftfeuchte, Taupunkt, CO2, Luftgeschwindigkeit, Luftdurchfluss, Temperatur und Druck.

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